Entdeckung


Besuch eines Friedhofs

Als Fotografiebegeisterte treibt man sich auch schon mal auf Friedhöfen herum. Der Johannisfriedhof in Nürnberg war dabei eine absolute Entdeckung. Wenn man so sagen darf, ein wunderschöner Friedhof auch bei trübem Wetter.

Nicht nur durch sein Alter mit über vier Jahrhunderten, seine Größe mit ca. 6400 Grabstätten, sondern auch durch die Art der Gräber. Alles sind liegende Grabsteine und in Ost-West-Richtung ausgelegt, geschmückt mit wertvollen Epitaphien, mit künstlerischen Figuren und mit unendlich vielen Rosenbüschen, weshalb er auch Rosenfriedhof genannt wird.
Dies zeigt sich auch in den abgelegten einzelnen Rosen auf den Gräbern, die mir immer wieder auffielen. Eine schöne Geste an diesem besonderen Ort.

Nun, was hat das alles mit Schmuck zu tun?

Hier liegt ein sehr berühmter Goldschmied begraben, ein bekannter Bürger Nürnbergs, Wenzel Jamnitzer. Dieser Name ist mit seit meiner Ausbildung, durch das Fach Kunstgeschichte bekannt.

Also wollte ich seine letzte Ruhestätte unbedingt besichtigen und fotografieren, aber davor stand die Suche nach dem Grab. Eine nicht ganz einfache Angelegenheit bei der Anlage der Gräber dieses Friedhofs.
Leider gab es nur noch die oben gezeigte Inschrift zu sehen, das eigentliche Epitaph fehlte.
Dafür ist das Leben, die Arbeiten von Wenzel Jamnitzer um so interessanter, wie meine weitere Recherche ergab. So kommt also eins zum anderen.

Gearbeitet hat Wenzel Jamnitzer mit Familienmitgliedern in seiner Werkstatt in der Zisselgasse, heute die Albrecht-Dürer-Strasse 17 in Nürnberg.

Tafel am Wohnhaus von Wenzel Jamnitzer

Tafel am Wohnhaus von Wenzel Jamnitzer

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Wenzel Jamnitzer * ca. 1507/08 Wien, † 19.12.1585 Nürnberg

Von Beruf Goldschmied, Eisengraber (Medailleur), Zeichner und Entwerfer, Konstrukteur und Erfinder wissenschaftlicher Instrumente.

Er stammt aus einer Familie die über Generationen das Goldschmiedehandwerk ausübte und war der berühmteste Goldschmied seiner Zeit.
Jamnitzer wird 1534 Meister in Nürnberg und bekleidet dort weitere Ehrenämter. Seine Meistermarke ist ein Löwenkopf en face, darüber ein W, seine Zeichnungen tragen das Monogramm W I.
Die Hauptarbeiten Jamnitzers bilden der Vegetation nachgebildete Formen und künstliche Ornamente, vom Stil her wandte er sich von der Gotik ab, hin zur Renaissance.
Aufträge erhalten hat er als einziger Goldschmied nacheinander von insgesamt vier Kaisern.
Seine zahlreichen erhaltenen Arbeiten können noch heute in Kunstsammlungen in ganz Europa besichtigt werden (Grünes Gewölbe in Dresden, Schatzkammer der Residenz in München, Louvre in Paris, Rüstkammer des Kreml…)
Erfunden hat er eine Maschine zum Prägen von Ornamentstreifen.
Auch hat er sich dafür eingesetzt den Goldschmiedenachwuchs in Nürnberg auf hohem Niveau zu halten, in dem er ein neues Muster für eines der Meisterstücke, den sogenannten Akeleypokal, vorschlägt.
In seinen späten Jahren widmet er sich seiner Vorliebe für wissenschaftliche und technische Geräte, er betrieb Studien um das technische Wissen seiner Zunft zu erweitern.
Hier ist besonders seine veröffentliche Schrift Perspectiva corpurum regularium zu erwähnen, in der er sich nach dem Aufkommen der Perspektive mit der Wahrnehmung und Beherrschung von Raum und Körpern (platonische Körper) auseinandersetzt in der Fortsetzung der Bemühungen Albert Dürers.
Begraben ist er auf dem Johannisfriedhof (Grab 0664) in Nürnberg unweit des Grabes von Albrecht Dürer (Suchhilfe zum Auffinden der Gräber).